

Manifest
ZUKUNFTSORIENTIERTE BILDUNG
Status: Phase 3 – Diskurs
Stand Mai 2026.
Utopien und Impulse — Kurzfassungen aller sechs Manifeste, Stand 21. Mai 2026. PDF, 4,8 MB — geht in einem neuen Tab auf. Über Mobilfunk dauert das kurz.
Perspektive
Bildung für jeden Menschen, ein Leben lang – so stellen wir uns die Prämissen für das Bildungssystem der Zukunft vor. Die „Bildung für morgen“ steht in der Wertschätzung und Finanzierung an der Spitze der Gesellschaft. Alle erkennen an, dass unser Erfolg als Menschheit von ihr abhängt. Bildung beginnt im Kleinkindalter und beschäftigt uns ein Leben lang. Das Fundament wird im Elternhaus gelegt. Chancengerechtigkeit in der Bildung muss Chancenungleichheiten durch Geburt und Herkunft ausgleichen. Bei immer länger werdender Lebenserwartung muss Bildung sicherstellen, dass die Menschen auch im Alter noch wertvolle Rollen in der Gesellschaft erfüllen können. Menschlichkeit und Lebensqualität stehen ganz oben auf der Werteskala, nicht nur für die Bildung. Neue Technologien haben großen Einfluss auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die damit einem raschen Wandel unterliegen. Das Wertesystem muss stabil bleiben und darf sich dem nicht beugen. Das Bildungssystem muss diesen Herausforderungen gewachsen sein.
Utopie
Das Bildungssystem ist ähnlich verfassungsrechtlichen Bestimmungen eines Staates aus der Tagespolitik herauszuhalten. Seine Finanzierung ist langfristig sicherzustellen. Die Honorierung aller Menschen, die sich in der Bildung engagieren, muss ausgewogen und abgesichert sein. Die jeweils pädagogisch Bestgeeigneten sollen sich in der Bildung engagieren. Durch entsprechende gesellschaftliche Anerkennung ihrer Arbeit ist die Motivation der in der Bildung Arbeitenden dauerhaft hochzuhalten.
Alle Menschen haben Talente. Diese sind am Bildungsweg frühzeitig zu erforschen und Kind für Kind zu erkennen. Ihre Ausprägung kann sich im Laufe des Lebens, insbesondere des Erwachsenwerdens, ändern. Daran hat sich der Bildungsweg zu orientieren. Zu jeder Zeit im Leben sind die jeweiligen Stärken zu fördern und Schwächen auszugleichen.
Das erfordert hohe Individualität in der persönlichen Betreuung, die auch personell und finanziell gewährleistet werden muss. Junge Menschen sind durch ihren Bildungsweg dorthin zu führen, wo sie ihre persönliche Erfüllung finden und, damit zusammenhängend, der Gesellschaft bestmöglich dienen.
Viele Probleme der Jugend zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte hängen mit Führungs- und Motivationslosigkeit, mit Desorientierung zusammen. Jugend drängt zum Neuen – das ist zu fördern. Jugend braucht oft Zeit, um langfristige Werte zu würdigen – das ist zu beachten. Jugend lässt sich oft allzu leicht an Werten ausrichten, die sich später als die falschen herausgestellt haben – das ist zu verhindern. Der Beobachtung der „virtuellen sozialen Medien“ im Hinblick auf Chancen und Gefahren bei diesen Prozessen ist Priorität einzuräumen.
Bildung in der Jugend ist vor allem auch Gemeinschaftsbildung. Sie steht der Individualisierung scheinbar entgegen. Neue Möglichkeiten der Kommunikation führen zu neuen Formen von Gemeinschaften. Es wird eine der großen Aufgaben der Zukunft sein, die neuen Technologien und neuen Formen der Kommunikation in das Bildungssystem zu integrieren:
Die lebenswichtigen Strukturen von Gruppen, Klassen, Freundeskreisen, Sportvereinen, Kulturgemeinschaften etc. müssen mit der sich immer weiter entwickelnden Online-Kommunikation positiv verbunden werden.
Junge Menschen müssen lernen, das angebotene Wissen und die angebotenen Ergebnisse der Künstlichen Intelligenz zu beurteilen und damit sinnvoll umzugehen.
Lehrende müssen Teil der Avantgarde in der technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung sein, um ihre Erkenntnisse weitergeben zu können.
Es ist sicherzustellen, dass Lehrende sich an jenen Werten orientieren, die den gesellschaftlichen Zielen entsprechen.
Demokratische Gemeinschaften bilden ethische Wertegemeinschaften, die von allen mitgetragen werden. Diese gemeinsamen ethischen Werte sollen vereinbart, niedergeschrieben und im Alltag gelebt werden. Sie respektieren Menschenrechte, unterschiedliche Kulturen und Religionen, individuelle Freiheit und Verantwortung und vor allem Bildungsfairness für alle Menschen. Diese Werte sollen bei allen Mitgliedern der Gemeinschaft, also allen Menschen, die in diesem Staat leben, auch durchsetzbar sein. In der Bildung in den Familien und im Kindergarten werden sie vorgezeigt und gelehrt.
Für die Bildung stehen ausreichend finanzielle Mittel bereit, um allen Menschen die bestmögliche Entwicklung persönlicher Talente zu ermöglichen. Den größten Nutzen der Gesellschaft stiftet es, wenn alle Menschen ihren Talenten und Neigungen gemäß einen Dienst an der Gemeinschaft – Lohnarbeit und Ehrenamt – erbringen. Dabei spielen die persönliche Leistungsbereitschaft und auch der Wille, gute Leistungen zu erbringen, eine Rolle. Der rasanten Entwicklung neuer Informationstechnologien und dem steigenden aktiven und gesunden Lebensalter ist durch Angebote lebenslanger Bildung zu entsprechen, die im Sinne einer langfristig resilienten Gesellschaft auch gut angenommen werden. Die kommunikativ und pädagogisch „Bestgeeigneten“ sollen Bildung vermitteln. Das sind nicht immer die akademisch Höchstgebildeten. Begeisterte Lehrende haben und brauchen oft ganz andere, vor allem menschliche Qualifikationen als Spitzenforscher:innen oder wirtschaftlich Erfolgreiche.
Ideenpool
Öffentliche Förderung und private Initiative für Bildung
Als wichtigste Zukunftsaufgabe der Gesellschaft und damit der Politik sind radikal neue Wege zu finden, öffentliche und private Initiativen und Engagement im Sinne der Bildung zu kombinieren. Bildung ist im öffentlichen Interesse und muss daher primär der öffentlichen Kontrolle unterliegen. Allerdings werden bedeutend mehr Finanzmittel als bisher einzusetzen sein, um die Bildung der Zukunft erfolgreich zu organisieren. Private Unterstützung, z.B. durch Bildungsstiftungen, ist willkommen, soll aber immer der Allgemeinheit zugänglich sein.
Betreuungsverhältnis 5:1
Das Betreuungsverhältnis in der Bildung vom Kindergarten bis zur Universität soll 5:1 betragen. Maximal 5 Lernende werden von 1 Erfahrenen begleitet. Im Schul- und Universitätsbereich wird nur eine Annäherung möglich sein. In internationalen Untersuchungen (OECD-Education at a glance) gelten Betreuungsverhältnisse bis 1:12 in gewissen Situationen als akzeptabel. Betreuungsverhältnisse sind auch stark von der Lernsituation und Lernumgebung (Klassenunterricht, Gruppenunterricht, Labors, Sport, künstlerische Aktivitäten u.a.) abhängig. Jedenfalls muss das Bildungssystem gesellschaftlich finanzierbar bleiben.
Stärken stärken statt auf Schwächen herumreiten
Über eine solide Grundbildung hinaus sind Interessen und Potenziale, also die persönlichen Stärken von Schüler:innen, zu stärken. Allfällige Schwächen sind individuell auszugleichen, wo sie die Entwicklung der Stärken behindern. Das Erkennen und Fördern individueller Stärken soll zum System werden. Das erfordert kleine Klassen, viele Lehrpersonen, persönliche Zuwendung.
Medienkompetenz und kritisches Denken als Schlüsselkompetenz fördern und flächendeckend im Bildungssystem verankern
Es ist entscheidend, dass sowohl Lehrende als auch Eltern gezielt in der verantwortungsvollen Nutzung digitaler Technologien geschult werden. Bei aller anfänglichen Euphorie gegenüber „virtuellen sozialen Medien“ ist nun große Ernüchterung eingetreten. Daher sind Rahmenbedingungen für diese Medien zu definieren; die Vereinbarkeit mit dem persönlichen Lernprozess von Jugendlichen ist zu überprüfen.
Bildung und Werte im Alltag: Vorbilder für eine resiliente Gesellschaft
Eltern und Erwachsene müssen als zentrale Vorbilder für Kinder und Jugendliche Verantwortung übernehmen und Werte wie Respekt, Toleranz und ethisches Handeln im Alltag vorleben. Bildung beginnt in der Familie, im sozialen Miteinander. Alle Erwachsenen sollten die Chance nutzen, Kinder und Jugendliche aktiv in die alltäglichen Bildungsprozesse einzubeziehen, sei es durch Gespräche, Spiele, gemeinsames Lernen oder Förderung von Neugier.
Neue Technologien sinnvoll in die Bildung integrieren, nicht verbannen
In vielen Ländern wird ein Handy-Verbot an den Schulen diskutiert. Andererseits wird digitales Lernen gefördert. Eltern sind schlechte Vorbilder, was die Nutzung digitaler Tools betrifft. Lehrende sind überfordert damit. Kinder lernen sehr früh einen falschen Umgang bis hin zu Suchtverhalten. Die Wirtschaft, das Marketing trägt massiv dazu bei. Verbote werden nicht wirklich helfen. Es braucht konkrete Empfehlungen und eine entsprechende Ausbildung für die Lehrenden, um die riesigen Chancen, die KI und andere neue Technologien bieten, sinnvoll in die Bildung zu integrieren.
Weiterbildung in neuen Technologien
Junge Menschen können in einem Buddy System älteren Menschen den Umgang mit neuen Technologien erleichtern und im Gegenzug Lebenserfahrung mitnehmen.
Bildungsberufe aufwerten
Um die besten Talente für Bildungsberufe zu gewinnen und zu halten, müssen diese finanziell und gesellschaftlich auf höchstem Niveau anerkannt werden.
Neben einer wettbewerbsfähigen Honorierung sollten flexible Arbeitsmodelle, Karrieremöglichkeiten und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie gefördert werden.
Bildungsfairness, Chancengleichheit, Chancengerechtigkeit
Diese Begriffe führen immer wieder zu Deutungsfragen. Um alle Potenziale junger Menschen im Sinne der Gesellschaft zu heben, braucht es gezielte und dauerhaft wirksame Maßnahmen für Bildungswege, die den verschiedenen Talenten entsprechen. Trennlinien entlang von Wohngebieten, sozialen Schichten und Bildungsschienen entscheiden heute über Zugang und Ausbildung. Fairness bedeutet nicht gleiche Behandlung für alle, sondern Startbedingungen und individuelle Förderungen, die jungen Menschen mit unterschiedlichem sozioökonomischem Hintergrund einen erfolgreichen Bildungsweg ermöglichen.
Vielfalt und Einheit, Kultur und Bildung
Alle vier sind erwünscht in unserer Gesellschaft. Aber zum Ziel fehlt uns offensichtlich der Weg. Aus der Geschichte kennen wir die Irrwege zum Thema, wenn Nation und Religion beherrschend und ausgrenzend waren. Es geht um Verständnis und Verstehen, Vermittlung, Kultur- und Sprachbarrieren, Systeme, Anreize, Formate und vor allem um einigen Finanzbedarf in das Bildungssystem, in die Gesellschaft. Es geht um völlig neue Wege, die kulturelle Vielfalt mit den Anforderungen an eine erfolgreiche und gemeinsame Gesellschaft durch zukunftsorientierte Bildungsangebote in Einklang zu bringen. Nur wenn es gelingt, bei aller erwünschten Vielfalt im Grund einig zu sein, was uns zentral wichtig ist oder nicht, können wir unseren Kindern gemeinsame Werte vermitteln. Dieser gesellschaftspolitische Prozess sollte herausgehoben sein aus der Tages- und Parteipolitik. Wünschenswert wäre es, diesen Prozess europaweit zu führen.
Übergang vom schulischen oder hochschulischen Lernprozess in die Arbeitswirklichkeit
Maßnahmen des Übergangs vom Bildungsbereich in die Arbeitswelt werden international intensiv diskutiert. Österreich hat hier durch ein umfangreiches duales und vollschulisches berufliches Oberstufenschulwesen wesentliche Erfahrungen einzubringen. Aber auch hier ist der gesellschaftliche Wandel zu spüren, der sich beispielweise in einer Bevorzugung des vollschulischen gegenüber dem dualen Ausbildungsmodell zeigt.
Alumni-Vereinigungen
Das Lebensalter von 15-18 ist prägend für junge Menschen. Freundschaften, Gemeinschaften, Beziehungen für das ganze Leben entstehen. Alumni-Vereinigungen an Schulen können das sehr gut unterstützen. Sie können eine Gemeinschaft sein, in der Schüler:innen, Absolvent:innen, Lehrende, Eltern und Förderer der Schule zusammenwirken.




